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Verwaltung zeigt sich von der Kritik an der Beethoven-Kampagne unbeeindruckt

Bonn ist Beethoven. Weil...1

Von der abermaligen Kritik aller Fraktionen an der Kampagne „Bonn ist Beethoven" zeigt sich die Verwaltung weiterhin unbeeindruckt. Da das Konzept zu einseitig auf die Person Beethoven ausgerichtet ist, kommen andere wichtige Merkmale von Bonn nicht ausreichend zur Geltung. Zwar fließen weiterhin erhebliche finanzielle Mittel in das Beethoven-Marketing, eine Kosten-Nutzen-Analyse der durchgeführten Maßnahmen findet jedoch nach wie vor nicht statt. Die Sozialliberalen fordern, dass das Stadtmarketing zukünftig breiter aufgestellt wird.

Trotz deutlicher Kritik hält die Verwaltung weiterhin an ihrer Stadtmarketingkampagne „Bonn ist Beethoven. Weil..." fest. Bereits bei der Vorstellung im Vorfeld der der Klimakonferenz wurde die Kampagne einhellig von allen Fraktionen als zu Beethoven-lastig bewertet. Nachdem die Verwaltung kürzlich im Wirtschaftsausschuss ein erstes Zwischenfazit präsentierte, mussten die Mitglieder feststellen, dass im Wesentlichen keine der im vergangenen Jahr aus den Reihen der Politik formulierten Vorschläge und Anregungen umgesetzt wurden. Insofern ist es erstaunlich, dass sich die Stadtsprecherin Dr. Monika Hörig von den nun erneut geäußerten Kritikpunkten überrascht zeigt, weil nach ihrer Auffas-sung damals „alle Missverständnisse ausgeräumt worden seien".

Von den Ausschussmitgliedern wird insbesondere kritisiert, dass andere wichtige Merkmale von Bonn (ehemalige Hauptstadt, UN-Standort, Universitätsstadt) in der Kampagne keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen. Auch diesen Einwand lässt die Stadtsprecherin nicht gelten, weil es vielmehr Ziel des Konzeptes sei, mit Beethoven als weltweit bekannter Person für die Vielfalt Bonns zu werben. „Für eine Vielfalt, wie sie auch in seinem Werk angelegt ist", so Hörig.

„Bei Marketing und Werbung werden häufig kreative Elemente genutzt. Dementsprechend spielt auch immer der persönliche Geschmack eine wichtige Rolle bei der Frage, inwiefern mit den Maßnahmen die gewünschte Zielgruppe erreicht werden kann. Gleichzeitig muss jedoch darauf geachtet werden, dass die Zielgruppe klar und direkt mit eindeutigen Ansagen ohne große gedank-liche Umwege angesprochen werden", so Sebastian Kelm, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Sozialliberalen.

Bonn ist Beethoven. Weil...Bonn ist Beethoven. Weil...

Bonn ist Beethoven. Weil...Bonn ist Beethoven. Weil...

Bonn ist Beethoven. Weil...

„Bei vielen Motiven wirkt es jedoch eher wie der zwanghafte Versuch, den Namen ‚Beethoven' mit Schlagworten wie ‚Klima', oder ‚Vielfalt' in Verbindung zu bringen. Bei Kennern der klassischen Musik mögen diese Anspielungen funktionieren, bei der breiten Masse der Menschen im In- und Ausland wird das allerdings nicht der Fall sein", so Kelm weiter.

Bereits in der Vergangenheit haben die Sozialliberalen mehrfach kritisiert, dass erhebliche finanzielle Mittel in Marketingmaßnahmen fließen, die mit dem Namen Beethoven in Verbindung stehen. Allein die Kampagne „Bonn ist Beethoven" kostet die Stadt rund eine halbe Millionen Euro bis 2019. Hinzu kommen zwei Millionen Euro jährlich für die Beethovenpflege. Ob und welche Effekte die Investitionen haben, beispielsweise hinsichtlich der Entwicklung von Touristenzahlen, wird bislang nicht anhand einer Kosten-Nutzen-Analyse gemessen.

Klar ist bislang lediglich, dass die Maßnahmen nicht dazu beitragen, dass mehr Menschen in Deutschland Bonn mit Beethoven in Verbindung bringen. Eine repräsentative Umfrage aus 2015 zeigt, dass lediglich 3% der Befragten Beethoven mit Bonn assoziieren. Hingegen bringt eine überwältigende Mehrheit Bonn mit der Zeit als Hauptstadtzeit in Verbindung. Diese Ergebnisse wurden durch eine weitere von der Stadt 2017 in Auftrag gegebene Umfrage bestätigt. Hier geht es zu den Ergebnissen der Umfrage:

Bonn-Umfrage 2015
Bonn-Umfrage 2017

Angesichts des anstehenden Beethoven-Jubiläums 2020 wird die Kampagne noch bis mindestens Ende 2019 weiterlaufen. Spätestens dann muss die Verwaltung mit den Planungen beginnen, wie nach 2020 beim Stadtmarketing andere Merkmale von Bonn besser zur Geltung kommen. Übrigens: Die Bürgerinnen und Bürger sind dazu aufgerufen, eigene Vorschläge zu machen, warum Bonn gleich Beethoven ist. Dass speziell jüngere Leute offensichtlich von dem ganzen Thema Beethoven nur noch genervt sind, kann man auf einem Stromkasten in der Altstadt sehen.


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Kommentar von _s.ninnemann am 06.08.2018; 21:59:18 Uhr

...als bonnerin assoziiere ich bonn auch sehr untergeordnet mit beethoven, zumal ich kein klassikfan bin . der zunehmende krampfhafte versuch, bonn als "beethoven-stadt" zu etablieren , stößt mir auch dauer auf: sicherlich ist beethoven ein teil bonns, jedoch sollte man nicht allein liebhaber klassischer musik ansprechen, denn auch von denen wird nur ein bruchteil auf solcherlei marketingmaßnahmen anspringen: was den nutzen hinsichtlich der kosten minimiert. bonn hat viele andere vorzüge, die auch nicht- klassikfans hierher locken könnten.
nein, nur weil hier das geburtshaus (!) (gewirkt hat er hier nicht einmal!) ist, muss man bonn nicht auf beethoven reduzieren.
und als frau ärgert mich das plakat mit der aussage über talent, das eine dirigentinzeigt: "dss ist was gaanz besonderes, hier dirigieren sohar FRAUEN, wir sind gendermäßig ganz modern!"...da könnte ich die wände hochgehen....

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Kommentar von root am 08.08.2018; 14:28:03 Uhr

Sehr geehrte Frau Ninnermann,

wir können uns Ihrer Kritik nur anschließen. Durch eine weitere Umfrage, die von der Stadt in Auftrag gegeben wurde, bestätigt, dass die Werbekampagnen nicht dazu geführt haben, dass mehr Menschen in Deutschland Beethoven mit Bonn in Verbindung bringen. Hingegen fällt den Bonnerinnen und Bonnern sehr wohl der Name Beethoven ein, wenn sie gefragt werden, welche bekannten Persönlichkeiten sie mit Bonn in Verrbindung bringen. Angesichts der Allgegenwärtigkeit von Beethoven in Bonn ist dies jedoch nicht wirklich überraschend. Insofern stellt sich die Frage, ob die Millionen, die in den vergangenen Jahren in das Beethoven-Marketing geflossen sind, sinnvoll investiert wurden.

Mit freundlichen Grüßen

Die Sozialliberalen

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