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Sanierung der Beethovenhalle: Mit Vollgas in den Abgrund

Beethovenhalle Bonn

Trotz zahlreicher Probleme wird die Sanierung der Beethovenhalle fortgesetzt. Ein gemeinsamer Antrag der Sozialliberalen und der SPD, in dem der sofortige Stopp der Bauarbeiten und die Prüfung von Alternativen gefordert wurde, fand in der gestrigen Ratssondersitzung leider keine Mehrheit.

Nachdem die veranschlagten Kosten für die Sanierung der Beethovenhalle in den vergangenen Monaten bereits um einen zweistelligen Millionenbetrag gestiegen sind, wurde zuletzt bekannt, dass die Probleme offenbar so gravierend sind, dass sich Fertigstellung bis mindestens Mitte 2020 verzögern wird. Da auch die Informationspolitik der Stadt zu wünschen übrig ließ, haben die Sozialliberalen eine Sondersitzung des Rates beantragt, in der die Stadtverordneten von der Verwaltung umfassend über die aktuellen Entwicklungen in Kenntnis gesetzt werden sollten.

In der fast dreistündigen Ratssitzung wurde über die Themenkomplexe Statik und Zustand der Halle, den Zeitplan und die durch die Verzögerung hervorgerufene Auswirkungen auf das Beethovenfest 2020 sowie die Kostensteigerungen diskutiert. Obwohl in einer kürzlich veröffentlichten Verwaltungsvorlage noch von statischen Konstruktionsfehlern, Hohlräumen unter tragenden Wänden und einer fragilen Bausubstanz die Rede war, muss sich die Lage offensichtlich innerhalb einer Woche wie durch Wunderhand schlagartig gebessert haben. In der gestrigen Ratssitzung versicherte der Projektplaner jedenfalls, dass die Standfestigkeit der Halle gewährleistet und die Verzögerungen nicht dem Zustand der maroden Halle geschuldet sei, sondern größtenteils auf Abstimmungsprobleme zwischen den beteiligten Baufirmen zurückzuführen seien.

Unklar bleibt auch, warum die Baukosten in den vergangenen Monaten stetig gestiegen sind, obwohl die statischen Probleme der Halle offensichtlich noch nicht bekannt waren. Nachdem diese nun bekannt geworden sind, sollen die Kosten jedoch angeblich weiterhin bei 75,6 Millionen Euro liegen. Es kann allerdings nicht beides stimmen: Entweder waren die Probleme schon länger bekannt und sind bereits eingepreist oder die Erkenntnisse sind neu, dann werden die Kosten jedoch weiter steigen.

Angesichts der unklaren Gemengelage haben die Sozialliberalen in einem gemeinsamen Antrag mit der SPD den sofortigen Baustopp gefordert, um mit der notwendigen Zeit mögliche Alternativen prüfen zu können. Obwohl die bisher durchgeführten Bauarbeiten zwar bereits 10 Millionen Euro verschlungen haben und zudem Aufträge in Höhe von 50 Millionen Euro vergeben worden sind, wäre die Stadt mit einem Neubau der Beethovenhalle wahrscheinlich günstiger gefahren. Insbesondere wenn man den Bau einer integrierten Spielstätte von Oper, Orchester und Schauspiel in die Überlegungen miteinbezogen hätte, durch den auf die mindestens 80 Millionen Euro teure Instandsetzung der Oper hätte verzichtet werden können.

„Leider hat sich die Ratsmehrheit nicht dazu durchringen können, unserem Antrag zu folgen. Es wurde eine große Chance vertan, den Bonner Kulturstandort nachhaltig zu stärken", so Sebastian Kelm, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Sozialliberalen. „Stattdessen verschwendet man einen dreistelligen Millionenbetrag für die Sanierung einer provinziellen Multifunktionshalle, die keinerlei Mehrwert bietet", so Kelm weiter.

Heute – ein Tag nach der Ratssondersitzung – erhielten die Fraktionen übrigens die Meldung über die nächste Kostensteigerung.

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